Biografiefilm verkehrt herum

fw am 20. August 2011 | Permalink zum Artikel

Kürzlich habe ich den Film „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ gesehen. Das ist mal ein „Biografiefilm“ der anderen Art.

Regisseur David Fincher („Sieben“, „Fight Club“, „The Social Network“) erzählt die Geschichte eines Mannes, der 1918 in New Orleans als Greis geboren wird. Zwar hat er Körpergröße und Geist eines Kindes, aber gleichzeitig Falten, graue Haare und Gebrechen eines alten Mannes. Benjamin Buttons Lebensuhr scheint auf unerklärbare Weise rückwärts zu laufen. Statt körperlich zu altern wird er jünger.

Verkörpert wird die Figur des Benjamin Button sehr trefflich von Brad Pitt, dank einer Glanzleistung der Maskenbildner und Visual FX (Oscar-prämiert).

Zur Handlung: Bei seiner Geburt stirbt Benjamins Mutter. Der junge Greis wird als Findelkind von der schwarzen Altenpflegerin Queenie aufgenommen und wächst in einem Altenheim auf, wo er auch seine große Liebe kennenlernt, die damals 5-Jährige Daisy.

Später heuert er auf einem Schiff an und bereist die Welt. Als der 2. Weltkrieg beginnt, wird das Schiff samt Besatzung Teil der US Navy. Bei einem Gefecht mit einem japanischen U-Boot wird das Schiff zerstört, Button überlebt als Einziger.

Als er nach Amerika zurückkehrt lernt Button seinen echten Vater kennen, der ihm nach seinem Tod seine Knopf-Fabrik vererbt.

Parallel zu Benjamins Geschichte wird das Leben von Daisy erzählt, gespielt von Cate Blanchett, die mittlerweile als Tänzerin in New York gelandet ist. Benjamin und Daisy begegnen sich immer mal wieder, finden aber zunächst nicht zusammen.

Erst in den 60er Jahren, Benjamins geistiges und physisches Alter sind jetzt in etwa gleich, werden die Beiden ein glückliches Paar und bekommen ein Kind zusammen. Meiner Meinung nach, ist das der so ziemlich langweiligste Part des ganzen Films. Irgendwie wirken der jugendlich geschminkte Brad Pitt auf seinem Motorrad und das ganz Ambiente viel zu glatt. Die Geschichte geht weiter, ohne das wirklich viel passiert.

Als Benjamin dann realisiert, dass er seinem Sohn kein echter Vater sein kann, beschließt er die Familie zu verlassen. Daisy ist am Boden zerstört, kann ihn aber nicht davon abbringen. In den 80ern besucht Button noch einmal Daisy, die mittlerweile wieder geheiratet hat, um seinen Sohn zu sehen. Dann verschwindet er wieder, bis Daisy mehrere paar Jahre später einen Anruf bekommt, dass man einen verwahrlosten 12-jährigen Jungen gefunden habe. Sie nimmt sich Buttons an, der mittlerweile an Demenz erkrankt ist bis er 2003 letztendlich wieder zum Baby wird und stirbt.

Mich persönlich hat der Film an „Forrest Gump“ erinnert. Beide Figuren, Button und Gump, sind Außenseiter und erleben vielerlei ungeahnte Abenteuer bis sie ihren Weg bzw. ihre Liebe gefunden haben. Spannend sind bei beiden Filmen auch die diversen liebvoll gestalteten Nebenfiguren, die die Protagonisten während ihrer zumindest zeitlich verkehrten „Heldenreise“  treffen und die Handlung wesentlich mit gestalten.

Allerdings fehlt mir bei der Figur Benjamin Button im Gegensatz zu Forrest Gump die Tiefe. Es wird kaum ersichtlich warum Button so handelt wie er handelt. Es sind oft pure Zufälle die seine „Reiseroute“ bestimmen. Dabei bleibt Button einsilbig, etwas langweilig, meist passiv und überraschend unemotional.

Spannend ist es natürlich eine komplette Lebensgeschichte rückwärts zu erzählen. Interessant ist hierbei auch zu sehen, welche Ähnlichkeiten es im Alter und in der Kindheit gibt. Gleichzeitig ist es großartig zu sehen, wie der Film den Bogen von Geburt bis zum Tod spannt, der ja in diesem Fall auch wieder eine Geburt ist.

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